Argumente der Spammer

Spam ist billig

Das stimmt in gewisser Weise nur für den Spammer selbst.

Die Folgekosten jedoch trägt die Allgemeinheit. Schätzungsweise mindestens einen Euro der bei jedem Surfer monatlich anfallenden Kosten für den Internetzugang wenden die Provider für Personal- und Technikkosten auf, um die Spamflut einzudämmen. Tatsächlich sind momentan die Kosten für den Spammer selbst minimal. Damit ist eine betriebswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung dieses Marketings außen vor, weil die Folgekosten nicht vom Verursacher getragen werden. Nur so rechnet sich Spam wirtschaftlich nur für den Verursacher.

Wenn jede e-Mail auch nur 10 Ct kosten würde, wäre die Massenspammerei sofort vorbei. Mailkampagnen mit täglich Millionen von e-Mails, wie sie z.B. die russischen Spamkönige Kuvayev, Polyakov und andere täglich durchführen, würden sich ab sofort nicht mehr rechnen. Sie hätten damit Kosten von täglich hunderttausenden EURO, die mit dem Gewinn aus den Kampagnen niemals wieder hereinkämen. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass das Geld sich vom Spammer tatsächlich eintreiben liesse. Wer aber die derzeit agierenden Spammerbanden und ihre Methoden kennt, weiß, dass jeder derartige Versuch schon im Ansatz scheitern würde.

Spam ist effizient

Spam ist gegewärtig die Werbemethode mit der absolut niedrigsten Rückläuferquote überhaupt. Auch wenn 25 % der Addressaten aus Neugier auf einen Spamlink klicken, erfolgt ein Kauf wohl doch nur (je nach Bereich) in 0,1 bis maximal 5 Prozent der Fälle. Da jedoch – wie oben schon dargelegt – die Kosten für den Spammer gegen Null gehen, ist das Kapitel „Effizienz“ in betriebswirtschaftlicher Hinsicht hier gar kein Thema.

Der Spammer muss nur breit genug streuen, um genügend Dumme oder Naive zu finden, die ihm etwas abkaufen. Die Effizienzrechnung geht bei Spam nicht nach Kosten, sondern nach Breitenstreuung der Mails. Jeder Verfasser von Flugblättern, Wurfsendungen o.ä. hat zumindest die Kosten für Druck, Papier und Verteilung/Post zu zahlen. Er muss sich genau überlegen, ob die Kosten der Werbekampagne später wieder hereinkommen. Die Effizienz seiner Werbung und die Qualität des Produktes müssen gut genug sein, damit die Kampagne sich lohnt.

Der Spammer unterliegt einer solchen Kostenrechnung nicht. Mit Spam kann letztendlich jedes Produkt verkauft werden, und seien es in Folie eingeschweißte Pferdeäpfel. Wer spammt, klaut Traffic (Netzwerkkapazität), die andere bezahlt haben. Das gilt sowohl für das Verteilen, das mittlerweile fast ausschließlich über Botnetzen läuft, wie auch für das Abrufen der ungebetenen Mails.

Spam ist also eine räuberische, sehr effiziente Methode des Geldmachens. Alle räuberischen Methoden sind nun einmal effizient und billig für den Räuber. Daher vertritt auch jeder Räuber vehement sein „Grundrecht“ auf freies Geldmachen. Letztendlich ist auch ein Bankeinbruch immer sehr effizient, weil der Einbrecher mit vergleichsweise wenigen Mitteln (Presslufthammer… Schweissgerät…) maximalen Profit erzielt.

Aber nicht alles, was effizient und billig ist, ist rechtens. Und wer das nicht einsieht, muss sich nicht wundern, wenn er irgendwann auf Gegenwehr trifft. Für solche Fälle gibt es das deutsche Wettbewerbsrecht, was ein deutscher Spamverursacher in vielen Fällen kennen lernt.

Spam schadet niemandem

Eigentlich ist es müßig, zu diesem Argument überhaupt noch Stellung zu nehmen. Auf unendlich vielen Webseiten, die sich mit dem Thema Spam befassen, werden konkrete Zahlen genannt, was der Spam weltweit anrichtet und an Folgekosten verursacht.

Da ein hoher Anteil des Spams einen direkten kriminellen Hintergrund hat (gefälschte Medikamente, Verbreitung von Trojanern/Viren, Spyware, Raubkopien, Phishing u.v.m.), ist es offensichtlich, dass durch diese kriminellen Aktivitäten erheblicher zusätzlicher Schaden entsteht.

Das Argument „es schadet niemandem“ hört man am allermeisten von den Anbietern zweifelhafter bis unseriöser Dienste, die versuchen, die Naiven und Unerfahrenen mit maximalem Profit auszunehmen.

Ein jedes Unternehmen hat ein Recht auf e-Mail-Marketing

In Deutschland gibt es ca. 3 Mio. Unternehmen und Geschäftsbetriebe. Wenn auch nur 10 Prozent dieser Unternehmen jeden Tag eine e-Mail-Kampagne mit nur zehntausend Addressaten fahren würden, wäre in Nullkommanichts der gesamte Mailtraffic (vielleicht nicht nur der) in Deutschland lahmgelegt.

Daher müssen gewisse Regeln gelten und auch eingehalten werden. Es kann nicht sein, dass ohne Geschäftsbeziehung mit dem Adressaten oder ohne dessen Einverständniserklärung einfach auf Verdacht nach dem Gießkannenprinzip losgespammt wird.

Ein nicht geringer Teil des praktizierten e-Mail-Marketings entfällt auf Angebote, die letztendlich wegen ihrer Absicht, für möglichst wenig oder evtl. gar keine Gegenleistung möglichst viel Profit vom Kunden abzugreifen, volkswirtschaftlich erheblichen Schaden anrichten. Es wird auf diese Weise Kaufkraft abgeschöpft, die dann der leistungserbringenden, Waren und Dienstleistungen produzierenden Volkswirtschaft nicht mehr zur Verfügung steht.

Um es einmal auf den Punkt zu bringen:
Das Opfer, das von einem skrupellosen Internetabzocker um 100 Euro für nichts und wieder nichts geprellt wurde, muss dieses Geld woanders einsparen, z.B. bei Anschaffungen/Konsumartikeln. Der Einzelhandel verliert einen Kunden, das Geld streicht der Betrüger ein, der es dann für teure Autos, Kokain, Orgien auf seiner mallorquinischen Finca etc. verjubelt.

Das gesamte Medium e-Mail-Marketing ist in Misskredit geraten. Tatsächlich belegen Studien, dass zwar das Internetmarketing momentan enorme Zuwachsraten erfährt, dass aber der Anteil des e-Mail-Marketings kontinuierlich zurückgeht.

Schuld daran ist nun einmal Spam. Wenn der Durchschnittsverbraucher Angst davor haben muss, eine e-Mail aus ihm nicht bekannter Quelle zu öffnen, auf einen Link zu klicken, von dem er nicht wissen kann, ob die geladene Webseite durch enthaltene bösartige Skripte etc. in Nullkommanichts seinen PC mit Spyware und Klaubautermännern vollmüllt, Dialer, Trojaner oder sonst etwas installiert, ist das Medium e-Mail als Werbeträger am Ende.

So weit sind wir aber tatsächlich schon. Es haben nur noch nicht alle kapiert.

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